Evangelische Pfarrhäuser in Franken

Am 3. Juni wurde die Ausstellung über Evangelische Pfarrhäuser in Franken im Freilandmuseum in Bad Windsheim eröffnet. Das Pfarrhaus in Bürglein ist dem Band "Evangelische Pfarrhäuser in Bayern" mit zwei Seiten aufgenommen.

Dekan i. R. Karl-Friedrich Künzel und die Pfarrersleute aus Gutenstetten in einer Kutsch, Dr. May läuft hinterherDer Bezirk Mittelfranken und das Freilandmuseum luden unter anderem Pfarrer zur Ausstellungseröffnung in den Bauhof ein. Museumsdirektor Dr. Herbert May sprach über baugeschichtliche Aspekte der Pfarrhäuser. Die ältesten wie das von St. Sebald in Nürnberg stammen noch aus der Zeit vor der Reformation. Doch die meisten evangelischen Pfarrhäuser sind für Pfarrfamilien nach der Reformation von 500 Jahren konzipiert worden. Darum hat das Freilandmuseum, das eine Expertise für Häuser aller Art hat, gerne einen eigenen Beitrag zum Reformationsjubiläum geleistet und erstmals auch wissenschaftlich die Baugeschichte und die Kulturgeschichte des protestantischen Pfarrhauses untersucht.

Baugeschichtlich lässt sich grob feststellen:

Zu einem Pfarrgarten gehörte eine Laube1. Pfarrhäuser wurden zweigeschossig gebaut. Einerseits sollten sie nicht luxuriös (Villa) sein, andererseits hoben sie sich in der Vergangenheit von gewöhnlichen Dorfhäusern ab.

2. Es wurde schon immer zwichen Pfarrhaus und Stallung getrennt. Vieh wurde nicht mit ins Haus genommen.

3. Da ein Pfarrer bis ins 19. Jahrhundert Selbstversorger war, wurde ein Pfarrhof mit Stallung, Scheune und Brunnen angelegt. Durch die Umstellung auf ein Besoldungssystem im 19. Jahrhundert verschwanden nach und nach die Stallungen. Die Waschküche wanderte in den Keller. Die Holzlege wurde nicht mehr benötigt, als auf Öl-Heizung umgestellt wurde. Die Remise wurde nach dem 2. Weltkrieg zur Garage umgewandelt.

Studierstube mit Pfeifenstöcken an der Wand4. Schon im 16. Jahrhundert gab es bei Pfarrhäusern Badehäuser oder eine Badstube, die einen gewissen Komfort anzeigte. Ein Pfarrhaus unterschied sich von einem gewöhnlichen Dorfhaus auch dadurch, dass es einen innenliegenden Abtritt hatte. Das ersparte der Pfarrfamilie den Gang vors Haus auf die Miste...

5. In einem Pfarrhaus waren mehr Öfen und dadurch mehr Räume beheizbar. Der Pfarrer wollte bzw. musste es in seiner Studierstube warm haben. Kinderzimmer gehören in einem Pfarrhaus auch schon länger zum Raumprogramm. Abgeteilte, beheizbare Kinderzimmer gibt es im Lehrberger Pfarrhaus bereits seit dem 18. Jahrhundert; Tapeten seit dem 19. Jh..

Die gute Stube im Pfarrhaus6. Nach 1945 gebaute Pfarrhäuser unterscheiden sich nicht mehr von anderen Häusern. Oft wurden sie in Gemeindezentren integriert.

Die Klagen von Pfarrern über den unwürdigen Zustand ihres Pfarrhauses füllt in den Archiven viele Bände. Trotz eines gewissen Wohnkomforts wurde die hohe Kunst des Klagens gepflegt, um bauliche Verbesserungen oder einen Neubau durchzusetzen.

Oberkirchenrat Dr. Hans-Peter Hübner vom Landeskirchenrat der Evang.-Luth. Kirche in Bayern stellte heraus, dass in den letzten 10 Jahren über 1000 Pfarrhäuser saniert wurden, viele auch energetisch. Die Landeskirche sieht die hohe Bedeutung des Pfarrhauses für eine Kirchengemeinde. Das Pfarrhaus ist die Anlaufstelle für die Gemeindeglieder. Am Pfarrhaus wird deutlich, dass die Kirche vor Ort präsent ist.

Diashow von Pfarrhäusern - hier Bürglein - während der Vorträge und Grußworte

Gemälde von Spangenberg: Luther im Kreise seiner Familie musizierend, 1866

Pfarrer betrieben oft ein aufwendiges Hobby wie Eyring, der sich für den Obst- und Gartenbau verdient machte