Verabschiedung von Pfarrer Gernert

Nach 11 Jahren Dienst in der Kirchengemeinde Bürglein und im Dekanat Windsbach werden Pfarrer Hans Gernert und seine Frau Karin am Sonntag, 25.6., in einem Gottesdienst um 14 Uhr in der Johanneskirche Bürglein verabschiedet.

Kommt her zu mir alle

Der stellvertretende Dekan Claus Ebeling wird ihn von seinen Aufgaben entpflichten. An den Gottesdienst schließen sich einige Grußworte in der Kirche an, bevor es zum Kaffeetrinken zum Gemeindehaus geht. Wegen einer Baustelle - der nördliche Zugang zur Kirche soll barrierefrei gestaltet werden - ist der Zugang zur Kirche nur von der Großhabersdorfer Straße her möglich.

Segnender Christus, Grabstein in MarktoberdorfSegnender Christus

Bertel Thorvaldsen hat 1821 den segnenden Christus für den Dom in Kopenhagen angefertigt. Der Habitus erinnert an Darstellungen der Schutzmantelmadonna. Der Gestus ist der des zum Himmel auffahrenden Christus, der die zurückbleibenden Jünger mit ihnen zugewandten Händen segnet (Lk 24,50–52). Diese Darstellung erlangte im 19. Jahrhundert in ganz Europa Berühmtheit. Auf dem Sockel ist die Aufschrift Kommer til mig – „Kommt zu mir“ (Mt 11,28) angebracht.

Im 19. Jahrhundert kam die Figur als Replik in Mode. Pfarrer hatten sie in ihren Amtszimmern stehen. Auch als Grabdenkmal war sie beliebt.

 

Abschiedspredigt von Pfarrer Hans Gernert

Liebe Gemeinde,

ich durchbreche eine lange Tradition in dieser Gemeinde.

Die Pfarrer, die nach Bürglein kamen, blieben immer bis zum Ruhestand hier. Diesmal ist es anders. Ich gehe nicht in Ruhestand und verlasse doch die Gemeinde. Vor mir kam das zuletzt 1931 vor, als Pfarrer Wolfrum nach 6 Jahren nach Gustenfelden wechselte. Daran kann sich hier kein Lebender mehr erinnern. Mir ist bewusst, dass es besonders für die ältere Generation nicht schön ist, wenn ein vertrauter Pfarrer geht. Doch ein Wechsel birgt auch Chancen für beide Seiten, ohne dass ich das nun weiter ausführe.

Erlauben Sie mir, dass ich ein wenig zurückblicke. Als wir uns vor 11 Jahren im Kirchenvorstand vorstellten, lag das Jubiläum 900 Jahre Bürglein schon in der Luft, das wir 2008 gefeiert haben.

Es gab mir früh die Gelegenheit, das Pfarrarchiv durchzuschauen.

Viele Entdeckungen haben mich sehr berührt. So die Tatsache, dass die Urkunde mit der Ersterwähnung von Bürglein auf der leeren Seite einer Reichenauer Handschrift steht. Auf der Rückseite ist der Zug der Erwählten gemalt. Eine lange Menschenschlange, die auf dem Weg von der Taufe hinauf in den Himmel zu Christus ist. Für mich ist das ein zeitloses Symbol: Wir kommen von einem guten Ursprung und unser Lebensweg hat ein gutes Ziel - die Gemeinschaft mit unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Ein schönes Bild, das den Wochenspruch auf seine Weise illustriert: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken."

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Schauen Sie sich diese wunderbare Malerei der Mönche von der Reichenau von vor bald 1000 Jahren immer wieder einmal auf der Tafel in unserem Kirchhof an. Für mich ist das ein Schatz, der nicht nur dem Bistum Bamberg gehört, sondern auch uns.

Gestern war Johannis, der Tag unseres Kirchenpatrons Johannes der Täufer. An ihn erinnert der Johannesstein in unserem Kirchhof. Überhaupt ist uns im Kirchenvorstand die Tauferinnerung wichtig geworden.

Bereits unsere Eltern haben für uns den Heilandsruf gehört: Kommt her zu mir alle. Lasst die Kindlein zu mir kommen. Wir wurden schon früh zu Christus gebracht. Als Christen leben wir aus der Taufe. Wir gehören untrennbar zu Christus.

Im großen Katechismus schreibt Luther über die Taufe: "So muss man die Taufe ansehen und uns zu nutze machen: Wir sollen uns daran stärken und trösten, wenn uns unsere Sünde oder unser Gewissen beschwert, und sollen sagen: »Ich bin dennoch getauft! Bin ich aber getauft, so ist mir zugesagt, dass ich selig sein und das ewige Leben für Seele und Leib haben soll.«

Die Taufe steht für die Neugeburt eines Menschen, der aus Christus lebt. Nun wurde Luther ja einen Tag nach seiner Geburt in Eisleben getauft. Eine bewusste Erinnerung an seine Taufe hatte auch er nicht. Dennoch war ihm die Taufe sehr wichtig als Zeichen dafür, dass Gott uns vorbehaltlos annimmt. Dabei war ihm bewusst, dass er trotz seiner Taufe kein besserer Mensch geworden ist. Das lässt sich wohl für alle Getauften sagen, dass von dem neuen Menschen oft gar nichts zu sehen ist. Darum hat Luther in der ihm eigenen Sprache gesagt: "Wir müssen unseren alten Adam täglich ersäufen! Aber Vorsicht, der Sauhund kann schwimmen." Luther beschreibt damit, dass unser ganzes Leben eine Einübung in das Christ-Sein ist. Täglich gilt es, den alten Adam oder die alte Eva in uns zu ersäufen. Täglich gilt es, sich von Christus rufen zu lassen: "Kommt her zu mir alle". Christus will uns verändern. Er will uns erquicken. Er will uns Kraft geben, aus seiner Liebe und Barmherzigkeit zu leben: "Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist."

In unserer Gemeinde durfte ich viele Menschen kennenlernen, denen diese Einübung auch wichtig war und ist, die Einübung in das neue Leben aus dem Geist Jesu. Ich danke allen, die mir zum Bruder und zur Schwester geworden sind. Ich danke auch denen, die Geduld mit mir hatten, die nicht hinten herum geredet haben, sondern mir geschwisterlich zur Seite standen. Hier schließe ich auch meine Kolleginnen und Kollegen ein. Der Austausch mit ihnen war mir immer sehr wichtig. Da habe ich so manches Mal den alten Adam ersäufen können: Durch eine klarere Sicht konnte ich das Wesentliche besser erfassen.

Als Getaufte bilden wir einen "Zug der Auserwählten", wie er in der Reichenauer Handschrift zu sehen ist, eine Gemeinschaft, in der einer den anderen fördert, unterstützt, weiterhilft, trägt und auch erträgt. Das geht, weil wir alle den einen Herrn haben, der uns zu sich ruft.

Nicht nur durch den Austausch mit lebenden Geschwistern habe ich viel gelernt. Mir sind auch verstorbene Gemeindeglieder sehr nahe gekommen. Beispielhaft will ich Wilhelm Herding anführen, der von 1804 bis 1888 in der Weihersmühle lebte. Sein Vater hat das Altarbild gestiftet. Er selbst bekleidete viele Ehrenämter. 1850 wurden Kirchenvorstände in den evangelisch-lutherischen Gemeinden des Königreichs Bayern eingeführt. Wilhelm Herding wurde 1851 sozusagen der erste Vertrauensmann in unserer Gemeinde. Er setzte sich wie schon sein Vater für die Kirchenverschönerung ein, ließ den Altar und den Orgelprospekt vergolden, stiftete die beiden Orgelfenster, das Christusfenster und das gusseiseren Kreuz draußen vor dem Kirchturm, als das alte Schulhaus abgerissen wurde und der Friedhof um die Kirche erweitert werden konnte. Herding war es wichtig, dass der Gottesacker ein christliches Gepräge habe.

Bei unseren vier Abenden zu den Grundanliegen der Reformation haben wir uns bewusst gemacht, dass durch Wilhelm Herding viele Christussymbole in unsere Kirche Einzug gehalten haben. Christus allein. Solus Christus. Oder wie Luther prägnant formuliert hat: Wer Christus hat, hat genug.

Diese Tradition haben wir fortgeführt: Den Schlussstein im Tor der Aussegnungshalle ziert nun das Christusmonogramm Chi-Ro für Christus. Auch auf der Gedenkstele für die pflegefreien Urnengräber wird einmal der Christusname über den Namen der Verstorbenen zu lesen sein. Wir sind getauft auf seinen Namen. Wir sind Christen. Wir sind unterwegs zu ihm in die Herrlichkeit. Das soll auch durch den Kirchenjahresweg im Kirchhof ausgedrückt werden, besteht doch das Kirchenjahr aus vielen Christus-Festen. Das Kirchenjahr ist auf seine Weise eine Einladung, zu Christus zu kommen und seinen Weg mitzugehen bis er kommt in Herrlichkeit.

Mir gefällt es, dass ein älteres Gemeindeglied regelmäßig über den Kirchhof läuft und sich auf die Bank setzt mit Blick auf den Gekreuzigten und sagt: "Hier bin ich in bester Gesellschaft!"

Schön, wenn das Herz bei dem ist, der sagt: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Ja, hier bin ich. Bei dir bin ich in bester Gesellschaft.

Bevor ich die Figur des segnenden Christus in die Kirche gebracht habe, habe ich sie einem kranken Gemeindeglied gebracht. Was diese Figur ausgelöst hat, lässt sich nicht mit Worten beschreiben. Da war viel Zustimmung: Ja, das ist mein Heiland, der mir Kraft gibt. Und dann ein zärtliches Streichen über seinen linken Arm. Eine Kontaktaufnahme wie zu einem Menschen. Mehr: Wie zu Gott. Gott mitten in meinem Leben. Gott mitten in meinen Sehnsüchten. Gott mitten in meinem Leid. Ich bin nicht allein. Ich bin in bester Gesellschaft.

Im Bürglein meiner Seele ist er da, gewährt mir Schutz und Geborgenheit, lässt mich zur Ruhe kommen. Auch wenn sich unsere Wege in dieser Welt trennen, wir bleiben doch auf demselben Weg zu Gott - im "Zug der Auserwählten".

Christus, der uns zu sich zieht, soll das letzte Wort haben: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen."

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.