750 Jahre Böllingsdorf

Am 11. und 12. Juni feiert Böllingsdorf seine urkundliche Ersterwähnung vor 750 Jahren. Der Festgottesdienst am 12.6. beginnt um 9:30 Uhr im Festzelt.

Urkundliche Ersterwähnung 1266

1266 gab es die Herren von Burgilin schon einige Jahrzehnte nicht mehr. Wahrscheinlich hatten sie keine männlichen Nachkommen und eine Tochter hat in das Geschlecht der Herren von Sulzbürg eingeheiratet. So kamen die Herren von Sulzbürg in den Besitz der Güter der Herren von Burgilin. Gleichzeitig strebte das Kloster Heilsbronn auf und war daran interessiert, den eigenen Grundbesitz besonders auch in unmittelbarer Nähe zu mehren durch Zukauf und Stiftungen. 1265, kurz vor seinem Tod, veräußerte Konrad von Sulzbürg sein kleines, in unmittelbarer Nähe der klösterlichen Grangie in Ketteldorf gelegenes Gut Neuhöflein an das Kloster. 1266 starb Konrad von Sulzbürg. Seine beiden Töchter Adelheid und Petrissa verkauften 1268 einen Teil ihres väterlichen Erbes an Abt Rudolf von Heilsbronn. Der Verkauf umfasste ihren Eigenbesitz in den Dörfern Bürglein, Böllingsdorf, Gottmannsdorf u.a., aber auch die Burg „Burgelin" selbst einschließlich des Befestigungsgrabens.

Die Herren von Sulzbürg, die sich später von Wolfstein nannten, konzentrierten also ihren Grundbesitz um Neumarkt und festigten ihre Beziehungen zum Zisterzienserinnenkloster Seligenporten in der Oberpfalz. Die Beziehungen zu Heilsbronn verloren dagegen an Bedeutung.

Durch Heiratspolitik verbanden sich die Herren von Sulzbürg mit dem Reichsministerialengeschlecht der Herren von Stein, die ihr Herrschaftsinteresse um Hiltpoltstein konzentrierten: Die beiden Töchter des Konrad von Sulzbürg heirateten nämlich die beiden Söhne von Heinrich von Stein: Adelheid den älteren Sohn Heinrich und Petrissa den jüngeren Sohn Hiltbold.

Für die Urkunde aus dem Jahr 1266, in der Böllingsdorf unter dem Namen Pollisdorf erstmals erwähnt wird, spielt der Schwiegervater von Adelheid und Petrissa, der Reichsbutigler Heinrich von Stein, eine wichtige Rolle. Als kaiserlicher Beamter verwaltete er das Reichsgut in und um Nürnberg. Er amtierte von 1254 bis etwa 1266. Ihm unterstanden Münze und Gericht, darüber hinaus hatte er auch den Schutz über die Klöster, deren Vogtei beim Reich lag.

1266 stiftete Heinrich von Stein als Seelgerät für seine verstobene Frau Gertrud dem Kloster Güterbesitz in Böllingsdorf und Hausen (Lkr. Fürth). Die Mönche sollten also für seine verstorbene Frau regelmäßig beten und am Jahrestag ihres Todes eine Messe lesen. Dafür sollten sie aus dem Ertrag der Liegenschaften an jedem Freitag im Sommer Fisch zum Essen erhalten. Mit diesem Seelgerät wollte Heinrich von Stein etwas für das Seelenheil seiner verstorbenen Frau tun. Dieser mittelalterlichen Frömmigkeitspraxis verdanken wir also die urkundliche Ersterwähnung von Böllingsdorf.

Bildrechte: beim Autor

Rot: HenR. de Lapide eo tempore buttuglari[us] (= Heinrich von Stein, zurzeit Butigler). Gelb: Halsbrunn (= Heilsbronn), bona sua in (=seine Güter in). Grün: Pollisdorf und in Husen.

Hans Gernert