Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24. Januar 2021

Predigttext: Rut 1, 16
Rut antwortete: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

Liebe Bürgleiner Gemeindeglieder,
Rut, eine Nicht-Jüdin, bekennt sich zu ihrer Schwiegermutter Noemi. Und zu deren Gott, dem Gott von Sara und Abraham Kiljon, ihr verstorbener Mann, und Noemi stammten aus Bethlehem. Und Rut geht mit Noemi in deren alte Heimat: eine ganz besondere Familien- und Glaubensmigrantin.
Schwiegermütter haben ein eher schlechtes Image. „Ob man will oder nicht, man heiratet die Familie mit.“ Mit dieser Bindung zu leben – ob in großer Nähe oder auf Abstand –, stellt jede Ehe vor Aufgaben. Für Rut ist die Schwiegermutter ihre wichtigste Bezugsperson. Und ein Geschenk des Gottes, den sie durch die Familie erst kennengelernt hat.
Zurzeit wird in Deutschland oft über Menschen debattiert, die aus muslimischen Ländern kommen und zum christlichen Glauben konvertiert sind. Behörden nehmen ihnen ihr christliches Bekenntnis nicht ab. Ein CSU-Politiker hat eine Patenschaft übernommen für einen im Iran aus Glaubensgründen inhaftierten Christen. Ach täten er und seine Parteifreunde das doch auch für iranische Christen hier bei uns!
Ich bin dankbar, dass wir in Bürglein mit dem Kirchenasyl der Familie Hasan ermöglicht haben, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Und ich freue mich, dass hier ab März ein Pfarrer mitarbeitet, dessen Wurzeln in Afrika liegen. Emmanuel Ndoma stammt aus dem Kongo, ist schon seit 28 Jahren hier und hat zusammen mit Dr. Moritz Fischer lange interkulturelle Arbeit für unsere Kirche gemacht. Unser Gott beruft Menschen aller Herkunft und Nationalität. Sie sind unsere Geschwister im Glauben.
Rut die Moabiterin kam mit Noemi nach Bethlehem. Hier wurde sie nach ihrer Heirat mit Boas zur Großmutter von König David (Rut 4,17) und damit dann eine der Stammmütter von Jesus (Mt. 1, 5).
Ihr Ulrich Schindler