Austauschpfarrer zu Gast im Gottesdienst

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Am Sonntag, 21. Mai, begehen wir im Dekanat Windsbach den Partnerschafts-sonntag. Um 9 Uhr beginnt der Gottesdienst in Markttriebendorf, in dem die Familie des Austauschpfarrers Penga Nimbo zu Gast sein wird.

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Hans-Joachim Wild im Gespräch mit der Familie von Pfr. Penga Nimbo

Seit September 2016 sind der neuguineische Pfarrer Penga Nimbo, seine Frau Paulina und seine Kinder Tono und Pileru in Deutschland. Sie wohnen ein Jahr in Neuendettelsau, um Deutsch zu lernen. Anschließend soll Pfarrer Nimbo vier Jahre als Austauschpfarrer in einer bayerischen Gemeinde leben und arbeiten. Hans-Joachim Wild, ein ehemaliger Mitarbeiter von Mission EineWelt hat die Familie interviewt.

Frage: Grüß Gott Frau Nimbo.  Können Sie etwas von sich erzählen?

Ich komme aus der Gegend von Ialibu, aus dem kleinen Ort Kaupena. Bevor wir nach Deutschland gegangen sind, ist mein Vater gestorben. Meine Mutter lebt noch. Ich habe noch Brüder und Schwestern. Ich bin Lehrerin und habe einige Jahre unterrichtet. Einmal in der Woche am Dienstag trifft sich die Frauengruppe unserer Gemeinde. Eine andere Lehrerin hat meine Klasse für diesen Tag übernommen und ich habe mit den Frauen gearbeitet. Da machen wir Bibelarbeit und wir haben einen Gesprächskreis. Wir bauen auch Gemüse an. Mit Süßkartoffeln und Kraut machen wir “fund raising“, das heißt, wir verkaufen das Gemüse am Markt und mit dem Erlös unterstützen wir die Kirche. Wir haben das Geld verwendet für die Frauengruppen bei der nationalen Kirchenkonferenz, bei der Kreisdekanatskonferenz, bei der Dekanatskonferenz und bei Gemeindeversammlungen.

Frage: Wie geht es Ihnen in Deutschland?

Wir sind jetzt schon sechs Monate hier. Deutschland ist ganz in Ordnung. Unser Land ist halt ein tropisches Land, wo es diese vier Jahreszeiten nicht gibt. Kurz nachdem wir letztes Jahr hier angekommen sind, hat die kalte Zeit angefangen. Da haben wir die andere Lebensart in Deutschland kennen gelernt. Jetzt sind wir schon richtig in Neuendettelsau angekommen. Manchmal meine ich fast, wir sind in Papua-Neuguinea, weil viele Leute Tok Pidgin und Englisch können und ich mit Ihnen sprechen kann. Aber wenn wir dann auf die Pfarrstelle kommen, weiß ich noch nicht wie wir das machen, ob wir mit den Leuten dann schon fließend Deutsch sprechen können.

Frage: Hallo Pileru, gehst du schon in die Schule?

Ja, in den Kindergarten.

Frage: Und du Tono, du bist sicher schon in der Schule, oder?

Ja, ich gehe in die Grundschule, in die erste Klasse. Ich habe schon viele Freunde in der Schule. Zu Hause helfe ich Papa und Mama dann auch noch etwas beim Deutsch lernen. Die Schule gefällt mir. Aber das Wetter ist hier ganz anders als in Neuguinea.

Frage: Frau Nimbo, konnten Sie hier auch einen Garten anlegen?

Leider nein. Das Wetter ist nicht so danach und es gibt wohl kein Grundstück, wo ich einen Garten anlegen kann. Gerne würde ich das machen, aber, wo wir wohnen, gibt es scheinbar nicht genug Platz dafür.

Frage: Woher kriegen sie dann Süßkartoffeln, Bananen und Kraut?

Kraut und Süßkartoffeln gibt es hier in Neuendettelsau, das kaufen wir im Supermarkt. Kochbananen gibt es in einem Laden in Ansbach. Manchmal fahren wir dorthin und kaufen auch Taro und Tapioka.

Frage: Herr Pfr. Nimbo, wo kommen Sie her in Papua-Neuguinea? Was haben Sie dort gemacht?

Wir kommen aus dem Hochland von Neuguinea. Das Land ist gegliedert in Küste und Hochland. Die Gegend aus der wir kommen wird Ialibu genannt, im südlichen Hochland. Unsere Gemeinde ist im Dekanat Ialibu. Unser Partnerdekanat ist Landshut. Meine Ausbildung als Pfarrer habe ich 1994 im theologischen Seminar von Ogelbeng bei Mt.Hagen begonnen. Dort war ich fünf Jahre. Dann habe ich sieben Jahre im Tiripini Dekanat im Immanuel Distrikt gearbeitet. Anschließend habe ich am Martin Luther Seminar in Lae studiert und den Batchelor Abschluss gemacht. Dann habe ich als Chaplain (Schulpfarrer) an der Oberschule in Ialibu gearbeitet. Mit einem Stipendium der Kirche habe ich dann eine Ausbildung in Seelsorge beim Australian Lutheran College in Adelaide absolviert.  Anschließend bin ich zurückgekommen und war Gemeindepfarrer in Ialibu. Dort war ich auch Beauftragter für die Partnerschaft zwischen Ialibu und Landshut.

Frage: Wie haben Sie in dieser Partnerschaft die Verbindung gehalten? Haben Sie Briefe geschrieben oder wie ging das?

Es gibt eigentlich nur zwei Kommunikationswege. Früher haben wir Briefe geschrieben. Aber heute ist E-Mail viel besser. Und zweitens haben wir eine Facebook Seite, wo wir alle Bilder und Nachrichten einstellen. Jeder kann sie unter der Adresse “ELC Ialibu Seket“  auf Facebook anschauen.

Frage: Weshalb sind Sie jetzt in Neuendettelsau?

Die ELC-PNG (Ev.Luth. Kirche von Papua Neuguinea) und die ELCB (Ev. Luth. Kir-che von Bayern) haben ein Programm für den Austausch von Pfarrern. Es werden immer wieder Pfarrer gesucht die da mitmachen. So wurden drei Pfarrer nominiert und meine Familie und ich wurden vom Church Council (Kirchenrat der ELC-PNG) ausgewählt. Wir haben zugesagt. Wir haben unsere Arbeit in Ialibu abgeschlossen. Meine Frau hat ihre Stelle als Lehrerin aufgegeben. Mein Sohn Tono hat die Schule verlassen. Ich habe mein berufsbegleitendes Studium an der Divine Word University in Madang unterbrochen. Ich habe dort nämlich ein Masterstudium in “Leadership in development“ (Entwicklung und Menschen-führung) gemacht. Ich hatte schon alle Kurse abgeschlossen und war dabei die Masterarbeit zu schreiben. Meinen Professoren habe ich gesagt, dass ich jetzt Deutsch lernen muss. Das ist sehr schwer. Wenn ich dann mit dem Deutschlernen fertig bin, werde ich an der Masterarbeit weitermachen.

Frage: Wie sieht das jetzt mit dem Deutschlernen hier in Neuendettelsau aus?

Die Leute von Mission EineWelt haben für meine Frau und mich Sprachkurse im Bildungszentrum in Nürnberg organisiert. Jeden Morgen um 7:00 Uhr Uhr fahren wir mit dem Zug nach Nürnberg und haben von Montag bis Donnerstag fünf Stunden täglich Deutschunterricht. Freitags haben wir frei zum Üben und Hausaufgaben machen.

Frage: Wer kümmert sich um Ihre zwei Kinder, wenn sie in Nürnberg sind?

Bevor wir nach Nürnberg fahren, bringen wir Tono zur Schule und Pileru  zum Kindergarten. Dort

werden sie betreut und versorgt. Nachmittags um vier, wenn wir aus Nürnberg zurück sind, holen wir sie wieder ab.

Frage: Wie lange gehen die Sprachkurse noch?

Ich denke das geht noch bis August oder September.

Frage: In welcher Gemeinde werden sie dann leben und arbeiten?

Das ist noch nicht entschieden. Ich denke Mission EineWelt will, dass wir erst mal den Sprachkurs abschließen. Dann werden Sie uns sagen, auf welche Pfarrstelle wir kommen. Wir sind bereit dahin zu gehen, wo sie uns hinschicken.

Noch eine Frage zum Wetter: Sie haben jetzt ja Herbst und Winter in Deutschland erlebt. Gibt es diese Jahreszeiten auch in Papua-Neuguinea?

Der Ort Ialibu, aus dem mir kommen, liegt in den Bergen. Dort kann es auch kalt sein. Aber so kalt wie hier, wird es dort nicht. Also hier ist es echt eiskalt. Bei uns gibt es keinen Winter. Nur Regenzeit oder Sommerzeit (taim bilong san), also zwei Jahreszeiten. Das ist schon eine Umstellung für uns. Wir bleiben die ganze Zeit in der Wohnung. Wenn wir ein bisschen rausgehen, dann ist es so kalt, dass wir gleich wieder zurück ins Haus rennen.

Frage: In welcher Kirchengemeinde sind Sie hier in Neuendettelsau?

Wir gehen in die Nikolaikirche zum Gottesdienst. Dabei haben wir etwas bemerkt. Es gibt nicht viele junge Leute im Gottesdienst am Sonntagvormittag. Das ist anders als in unserer Heimatgemeinde. Auch vom Kindergottesdienst sehen wir nicht viele. In der Gemeinde, die ich betreut habe, sind immer ganz viele Kinder zum Gottesdienst gekommen.

Frage: Wie viele waren denn da?

Im Kindergottesdienst waren immer ungefähr 50, jeden Sonntag. Da haben wir jeden Sonntag eine andere Gruppe eingeteilt. An einem Sonntag haben die Kinder vom Kindergottesdienst die Bibellesung gemacht und die Lieder begleitet mit dem Sonntagsschullehrer. Am nächsten Sonntag war die Jugend dran. Die haben dann die Lesung, die Musik und die Gebete gemacht. Das nächste Mal war die Frauengruppe dran mit Lesungen, Musik und Kollekte einsammeln. Ich habe gepredigt. Ein anderes Mal war die Oberschule dran, dann die Grundschule mit ihren Lehrern: Lieder singen, ein Anspiel machen, das Thema des Gottesdienstes vorstellen. Fast hätte ich jetzt die Männergruppe vergessen. Dass sind die verheirateten Männer der Gemeinde, Alt und Jung, die machen da auch mit. Wir singen da manchmal auch traditionelle Lieder, das machen die Älteren, und neue Lieder mit der Gitarre oder mit einer Band. Wir wollen alle Gruppen der Gemeinde mit reinnehmen. Der Gottesdienst findet nicht nur für eine Gruppe statt. Jeder kriegt eine Aufgabe und so sind sie dann auch dabei. Es soll ihre Kirche sein und jeder soll darin vorkommen.

Hier in Neuendettelsau habe ich etwas Gutes gesehen. Da gibt es jeden Monat den Fire-Gottesdienst für die Jugendlichen. Das finde ich gut, denn so bekommt man viele junge Leute in die Kirche. Noch was Gutes habe ich kennengelernt. Es gibt da monatlich den „Elf vor Elf“ Gottesdienst. So einen zeitgemäßen Gottesdienst finde ich sehr wichtig, denn dabei kommt eine andere Gruppe der Gemeinde zum Gottesdienst zusammen. Sowas müssen wir unterstützen, denn damit werden alle Gruppen der Gemeinde einbezogen: die Jungen, die im mittleren Alter und die Älteren z.B. im Gottesdienst am Sonntagvormittag.

Frau und Herr Pfarrer Nimbo ich bedanke mich für dieses ausführliche Gespräch.