Festwochenende in Böllingsdorf 11.-12. Juni

Predigt vom Festgottesdienst unter "weiterlesen"

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Liebe Festgemeinde!

Mit einer Böllympiade hat das Festwochenende in Böllingsdorf gestern begonnen. Lustige Wettkämpfe zwischen verschiedenen Mannschaften konnte man miterleben.

Ich will daran anknüpfen und Sie zum Mitmachen animieren.

Sie haben alle einen kleinen Liedzettel.

Den benutzen wir jetzt wie einen Abstimmzettel.

Wenn Sie auf eine Frage mit "Ja" oder "Ich" antworten können, dann halten Sie doch bitte den Liedzettel hoch. (Zeit lassen zum Umschauen)

1. Ich wohne in Böllingsdorf.

2. Ich wohne in Bürglein.

3. Ich wohne in einem anderen Ort des Bürgleiner Kirchspiels.

4. Ich komme von außerhalb des Bürgleiner Kirchspiels.

5. Wer hat Flucht oder Vertreibung erlebt?

6. Wer wurde von der Hebamme Katharina Hacker mit auf die Welt gebracht? (1925-1964 fast 700 Hausgeburten)

Und jetzt wollen wir es von den Böllingsdorfern noch etwas genauer wissen:

7. Wer ist hier in Böllingsdorf geboren?

8. Wer ist in Böllingsdorf aufgewachsen bzw. wer wächst hier auf?

9. Wer hat nach Böllingsdorf eingeheiratet?

10. Wer ist nach Böllingsdorf zugezogen?

Liebe Festgemeinde,

schon diese kleine Umfrage zeigt, dass es in unseren Dörfern und auch in Böllingsdorf viel Bewegung gab und gibt. Auch ein Dorf ist nichts Statisches. Vieles ist im Fluss, selbst wenn sich auf dem Dorf manche Traditionen lange halten.

   "So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger" beginnt ein Satz aus der biblischen Lesung, den ich zunächst in seinem allgemeinen Verständnis aufgreife.

Wer in ein anderes Dorf oder in einen andere Stadt zieht, der fühlt sich zuerst einmal fremd am Ort. Er ist angewiesen auf die Offenheit der Nachbarn und Mitbürgerinnen und Mitbürger und er muss auch selbst offen und interessiert sein. Wenn man in ein bestehendes Gemeinschaftsgefüge hineinwachsen will, braucht es Offenheit auf beiden Seiten. Das gelingt mal mehr, mal weniger.

Darüber ließen sich hier an den Tischen sicher längere Gespräche führen, wie man das persönlich erlebt hat.

Als Flüchtlinge und Vertriebene auch hierher kamen und die Einwohnerzahlen mancherorts verdoppelt haben, da brauchte es eine bestimmte Zeit, bis Vertrauen zueinander aufgebaut war durch vielfältige Kontakte und gemeinsame Erfahrungen im Alltag.

Ähnlich erging es denen, die hierher geheiratet haben oder die zugezogen sind.

So ein Dorffest kann dazu beitragen, sich näher zu kommen, sich als Dorfgemeinschaft wahrzunehmen und sich einzubringen in diese Gemeinschaft.

Als sich der Böllingsdorfer Festausschuss gebildet hatte, wurde das Selbstverständliche angesprochen: Bei der 900-Jahrfeier für Bürglein haben die Böllingsdorfer sich rege eingebracht. Umgekehrt ist es nun auch bei der 750-Jahrfeier von Böllingsdorf. Die Bürgleiner helfen mit bei diesem Fest, denn in den Vereinen gibt es auch keine Trennung. Um mit dem Epheserbrief zu reden: Die Vereine bauen mit an einem gemeinsamen Haus. Ferne und Nahe kommen zusammen.

Bürglein und Böllingsdorf ist nicht nur geschichtlich und räumlich eng zusammengewachsen, sondern auch gefühlsmäßig.

Und doch gehört es zur Heimatgeschichte, dass Böllingsdorf einmal eigenständig war und dass vor 750 Jahren Güter in Böllingsdorf an das Kloster Heilsbronn gestiftet wurden.

Nun zwei historische Fragen. Sie haben kurz Zeit, um an den Tischen die richtige Antwort zu überlegen. Halten Sie dann bei der Antwort, die Sie für richtig halten, den Liederzettel hoch!

1. Heinrich von Stein hat 1266 Güter in Böllingsdorf an das Kloster Heilsbronn vermacht, um für seine verstorbene Frau Messen lesen zu lassen. Frage: Wie hieß seine Frau?

a) Margarete oder b) Gertrud.

Wer ist für a) Margarete?

Wer ist für b) Gertrud? (b ist richtig)

 

2. Aus dem Ertrag der Höfe in Böllingsdorf bekamen die Mönche in Heilsbronn etwas Gutes. Frage:

a) Bekamen Sie Starkbier in der Fastenzeit?

oder b) bekamen sie Fisch im Sommer?

(b ist richtig: Jeden Freitag im Sommer wurde ihnen Fisch zubereitet)

 

Heute sind wir nicht so gut auf das Finanzamt zu sprechen. Damals gab es vermutlich manchmal auch Seufzer, wenn die Klosteruntertanen Abgaben ans Kloster leisten mussten.

Doch schon lange ist die Zeit vorbei, dass Böllingsdorfer   Untertanen des Klosters waren. Längst sind sie wie die Einwohner anderen Ortsteile Mitbürgerinnen und Mitbürger der Stadt Heilsbronn und können dort auch mitregieren durch die Stadtratswahl.

 - Nun zur eigentlichen Bedeutung des Bibelwortes:

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Den Heidenchristen wird hier gesagt, dass sie durch den Glauben an Jesus Christus mit den Judenchristen zusammengehören. Die eigene Heimat, die kulturelle und religiöse Herkunft wird hier nachgeordnet. Entscheidend ist doch, dass der gemeinsame Glaube an Jesus Christus verbindet zur Gemeinschaft der Heiligen, wie wir im Glaubensbekenntnis festhalten.

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Wir dürfen das heute besonders erleben durch unseren Besuch aus dem Partnerdekanat Kerowagi. Die fünf Gäste sind mehr als Gäste und Fremde, sie sind Teil der großen Familie Gottes, zu der wir durch die Taufe gehören. Das spüren wir hoffentlich in den kommenden Wochen immer wieder. Seit 6 Jahren gibt es einen Austausch von Informationen und Gebetsanliegen zwischen Bürglein und Kerowagi. Nun bekommt diese Partnerschaft lebendige Gesichter.

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Daran wird deutlich, dass eine Gemeinde und ein Dorf nicht isoliert für sich besteht und lebt, sondern im Austausch und in Verbindung mit vielen anderen Menschen. Am vergangenen Sonntag haben wir Silberne Konfirmation gefeiert. Zum Dorf gehören auch die dazu, die einmal hier waren und aus familiären oder beruflichen Gründen weggezogen sind. Zum Dorf gehören auch die Vorfahren.

Die Festschrift mit der Häuserchronik erinnert an manche Namen und Menschen, die hier gelebt haben. In Böllingsdorf wird auch das Gedenken an die Opfer der Kriege besonders gepflegt durch den jährlichen Friedensgottesdienst im Eichenhain.

Nicht zuletzt führt durch Böllingsdorf seit über 20 Jahren der Jakobsweg. Eine neue Tafel in Böllingsdorf macht darauf aufmerksam.

Immer wieder kommen Pilger vorbei und schauen auch gern in die Kirche. Ob katholisch oder evangelisch - für mich sind sie auch Hausgenossen, Teil der Gemeinschaft der Heiligen.

Und sie machen uns bewusst, dass wir alle auf dem Weg sind in die ewige Heimat bei Gott. "Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen" werden auch wir im Epheserbrief genannt.

Fulbert Steffensky schreibt:

"Die Grundtexte des christlichen Glaubens sind nicht sehr heimatfreundlich. Die ersten Nachfolger fragen Jesus nach seinem Ort, seiner Heimat, und er antwortet: „Der Menschensohn hat keine Stelle, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Mt 8,20) Ebenso sehen sich die frühen Christen und Christinnen als vaterlandslose Gesellen: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel,“ (Phil. 3,20) und „wir haben hier keine bleibende Stadt, denn wir suchen die zukünftige.“ (Hebr. 13, 14) Mit diesen Sätzen in unserem geistlichen Gepäck können wir Heimatlieder kaum aus voller Brust singen. Man wird also nie ganz ein Hiesiger sein, weder in dem Land noch in den Kirchen, in denen wir leben. Das ist eine der Schönheiten des Christentums, dass es uns nicht erlaubt, gebannt zu sein in eine Gegenwart, in der die Lahmen noch nicht tanzen und in der die Tyrannen noch nicht von ihren Thronen gestürzt sind. Aber wir sind nicht nur Zukünftige und Jenseitige, und in reinen Transiträumen kann man nicht leben, lieben, bauen und atmen. Das Recht auf bergende und wärmende Höhlen wird uns niemand absprechen.

Es ist uns nicht versprochen, irgendwo ganz zuhause zu sein. Heimaten sind eine Art Rohbau jener Heimat, die wir erwarten. Vielleicht sieht man im offenen Rohbau mehr als im schönen, fertigen und abgeschlossenen Haus. Man sieht im Rohbau, was noch fehlt und was noch nicht da ist. Und so verweist mich der Rohbau auf das andere Haus – besser: auf die andere Stadt, in der alle Tränen abgewischt sind und „wo der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz“ (Offenbarung 21, 4). Bis dahin sind alle Heimaten mehr Unterstände als wohnliche Orte, aber wenigstens das sind sie."

Das Festzelt sehe ich als ein Symbol für den Unterstand, an dem wir in aller Unzulänglichkeit zusammenkommen. Wir sitzen heute mitten auf der Straße. Diese Bilder werden sich einprägen. Morgen wird das Zelt wieder abgebaut sein. Wir gehen unsere Wege weiter. Das Ziel ist nicht hier auf Erden. Mit Paul Gerhardt singen wir, dass wir letztlich in Gott Heimat haben und bei ihm geborgen sind - "weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt"!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Das Festwochenende in Böllingsdorf

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Am 11. Juni 2016 beginnt das Fest zur urkundlichen Ersterwähnung von Böllingsdorf vor 750 Jahren um 17 Uhr mit einer "Böllympiade", einem spannenden Dörferwettkampf. Anschließend Livemusik mit dem "Rohr Schbozn Express" und Barbetrieb. Für´s leibliche Wohl ist gesorgt.

Am 12. Juni 2016 geht es weiter mit einem Festgottesdienst um 9:30 Uhr im Zelt in Böllingsdorf. Der Gottesdienst wird vom Posaunenchor Bürglein und dem Gesangverein Liedertafel Bürglein mitgestaltet.

Danach schließen sich Grußworte, Musik mit "Helmut Stadlinger und Freunde"  und Mittagessen an. Am Nachmittag klingt das Fest aus mit einer Bilderausstellung "750 Jahre Böllingsdorf" und Kaffeetrinken.

Auf dem Ausschnitt aus der Urkunde aus dem Jahr 1266 ist zu lesen:

[rot umrandet] Heinrich de Lapide (Heinrich von [Hiltpold-]Stein),
eo tempore buttuglari (derzeit Reichbutigler) in Nurenberc,
hat als Seelgerät für seine Frau Gertrud dem Kloster Halsbrvnn [gelb umrandet]
bona sua in Pollisdorf [grün umrandet] und in Hvsin (seine Güter in Böllingsdorf und Hausen) gestiftet,
damit vom Ertrag dieser Güter der Konvent an jedem Freitag während der Sommerzeit Fische bekomme.
 
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