Gott sprach: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

Liebe Konfis, liebe Familien, liebe Gemeinde,

gechillt ist die Person auf dem Bild hier unten. Gechillt von Gott. „Noah unterm Regenbogen“ hat Marc Chagall mit wenigen Strichen und Punkten gezeichnet. Rund und ruhig. Den Regenbogen denken wir uns natürlich bunt. Ein Engel hält ihn am Himmel. Noah ruht unten rechts. Nur angedeutet sein Körper. Er fügt sich harmonisch zusammen mit der Rundung des Bogens. Gott sprach: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Rechts oben ein kleiner Baum und links gegenüber ein Punkt. Gott hat einen Punkt gemacht nach der Flutkatastrophe und versprochen: Solang die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Der Punkt links mag für den Samen stehen und der Baum für das, was geerntet wird. Das Leben geht weiter. Normaler Alltag kehrt wieder ein. Gott hat einen Punkt gemacht nach der schlimmen Krise. Die Arche hat Noah, sei-ne Familie und die Tiere bewahrt. Jetzt ruht er aus, gechillt von Gott. 

In dieser Daueranspannung mit dem Coronavirus wären wir gern alle so gechillt. Wir suchen Ruhe und Erholung. Wie, liebe Konfis, kommt denn Ihr am besten runter und entspannt euch? Hinflacken auf die Couch und schöne Musik hören? Ein Bild malen oder selber Musik machen? Oder sind manche von Euch eher Bewegungstypen und haben daheim ihre work-out-Geräte oder gehen gern raus in den Wald? Zurzeit ist der ganz persönliche Rückzug aber gar nicht so das Problem, sondern die Gemeinschaft mit anderen: Kontakt haben, mal jemanden umarmen, entspannt miteinander feiern. Ich hab am Wochenende gelesen, was bei einer Umfrage unter Jugendlichen in der Corona-Zeit herauskam. Auf die Frage: „Was ist euch besonders wichtig?“ haben 78% geantwortet „meine Freunde“, 86% „meine Gesundheit“ und 92% „meine Familie“. Dagegen halten „Liebe und Partnerschaft“ und „Geld“ nur um die 50% für sehr wichtig. Damit also kann in der Krise das Leben rund werden und gechillt.

Was Gott mit dem Regenbogen zusagt, das geht über die Krise hinaus. Die Sintflut – so etwas ist auch geschichtlich bezeugt, allerdings natürlich nicht auf einmal in der ganzen Welt – war eine ganz große Katastrophe im Alten Orient. Alles stand unter Wasser. Und nun macht Gott hier seinen Punkt: „Meine Schöpfung ist stabil. Das Leben im Alltag geht weiter. Nach der Krise könnt Ihr aufatmen.“ Der Regenbogen ist das Zeichen am Himmel, das Euch immer wieder dran erinnert. Euch und auch ihn selbst: Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen mir und allem Fleisch, das auf Erden ist.“ Deswegen hält wohl auf dem Bild ein Engel den Bogen. Er hält ihn Gott vor die Nase. So erinnert sich Gott daran, dass er es gut meint mit allen.

Über dem Eingang der Würzburger Augustinerkirche steht in goldenen Lettern der Leitsatz des alten Kirchenvaters Augustinus: „Ich will, dass du bist.“ Ja, du bist unverwechselbar, liebe Konfirmandin, lieber Konfirmand, liebes Gemeindeglied. Gott will, dass Du bist – und dass du Deinen ganz eigenen Weg im Leben gehst. Du weißt, was Du gut kannst und was Dir Spaß macht, was Dich hochschießen kann und wie Du wieder runterkommst und entspannst.

Voriges Jahr haben einige von Euch Jonglieren geübt mit den Bällen, die Ihr bei der Konfi-Einführung im Freiluft-Gottesdienst bekommen habt. Manche haben es gleich gekonnt, manche sind ganz gut reingekommen, andere weniger. Die Bälle stehen für Jesus, den Spieler, und für das Spielen mit ihm. Er hat Grenzen überschritten und sich nicht an starre Regeln gehalten. Leichtigkeit und Spaß haben viele mit ihm erlebt. Mit dem ausgestoßenen Zachäus hat er gefeiert und gezecht. Er hat sich von einer Frau mit edlem Öl salben lassen, die als Hure galt. Gerechtigkeit hat er den Armen verkündet, Frieden den Unterdrückten und Glückseligkeit denen, die trauern oder schwer belastet sind. Leichtigkeit bringt er und Entspannung für die, die es dringend brauchen. Jesus der Jongleur. Gechillt von Gott. Dafür haben ihn die Mächtigen und die Gesetzeshüter ans Kreuz gebracht.

Er ist zu Gott gegangen, das haben wir vorhin im Evangelium gehört. Und seinen Freunden hat er einen Auftrag gegeben: „Macht so weiter. Jetzt seid ihr dran. Zeigt, dass Ihr mit meinem Frieden lebt. Erinnert alle an mich. Geht locker und entspannt auf die Loser zu und zeigt ihnen, dass sie etwas wert sind. Bleibt gechillt, wenn jemand den großen Maxen spielt, und zeigt ihm seine Grenzen auf. Erinnert die Leute daran, dass wir nur eine Erde haben, auch für die Generation Eurer Kinder – auch wenn es jetzt gerad schwierig ist für Freitags-Schulstreiks und -Demos. Zeigt allen Respekt, aber erwartet den auch für Euch selbst. Prangert an, wo es ungerecht zugeht, und versucht Streit zu schlichten.“ Manche von Euch Konfis haben dazu ja schon eine Ausbildung in der Schule gemacht.

Jetzt seid Ihr dran. Jongleure im Auftrag von Jesus. Auch dafür werdet ihr gleich gesegnet hier vor dem Altar. So hat das Jesus gemeint, als er seine Jüngerinnen und Jünger vor der Himmelfahrt ausgesendet hat. Und am Ende, als allerletztes im Matthäusevangelium, sagt er den wunderschönen Satz, den sich auch Noah unterm Regenbogen auf der Zunge hätte zergehen lassen: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Damit steht der Bogen der Leichtigkeit Gottes über Dir wie auf dem Bild von Chagall. Jetzt chill mal. Gott hat seinen Punkt gemacht: Die Krise wird ein Ende haben. Jesus schickt dich auf deinen ganz eigenen Weg. Und er geht mit.

Euer und Ihr Ulrich Schindler