Zum 1. Advent in den Klostergemeinden

Klostergemeinden
Bildrechte: Gemeinde Heilsbronn

 

Liebe Gemeinde,
„Mama, lässt Du die Türe ein bisschen auf“, so hieß es bei uns früher oft, wenn ich die Kinder ins Bett gebracht hatte. Die Kinder wussten: Schon ein wenig Licht erhellt das Dunkel, sie hatten gleich weniger Angst.

Jesus sagte von sich: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh.8,12) Das ist ein gewaltiger Anspruch. Er sagt nicht, ich bin ein Licht unter vielen. Nein, er beansprucht, das Licht zu sein. Und auch nicht nur das Licht für einige, sondern das Licht der Welt.
Wo Jesus ist, kann es – bildlich gesprochen - nicht mehr völlig dunkel sein. Deshalb feiern wir jedes Jahr neu sein Kommen in unsere Welt, Weihnachten.
Doch worum geht es im Advent? Advent heißt zu Deutsch Ankunft. Wir bereiten uns auf Weihnachten, seine Ankunft vor. Viererlei scheint mir dabei wichtig zu sein, um den Advent zu verstehen.

1. Wir sind von Dunkelheit umgeben. Das gilt es wahrzunehmen. Oft fällt es uns schwer, uns dem Dunkeln zu stellen, das für das Schwere im Leben steht. Viel lieber verschließen wir die Augen davor, schauen weg, verleugnen es oder lenken uns mit vielen Aktivitäten ab. Doch es gibt viel Dunkles. Der eine hat Stress in der Schule, bei anderen ist die Ehe nicht mehr das, was man sich erhofft hatte, andere wieder leiden unter den erneuten Coronabeschränkungen, die viele in die Isolation treiben, oder wissen nicht, wie es beruflich weitergehen soll. Und wenn in den Nachrichten mal nicht von Corona, gerade der neuen Koalition oder Sport die Rede ist, dann sehen wir meist Bilder von Not, Elend und Gewalt. Wir sind von Dunkelheit umgeben und sollten uns ihr stellen. Gerade im Advent.

Denn 2. dient der Advent dazu, die Sehnsucht wach zu halten. Die Sehnsucht, dass es anders sein könnte, dass wir uns nicht zufrieden geben dürfen. Ohne diese Sehnsucht stehen wir in Gefahr, abzustumpfen gegenüber dem Leid in und um uns. Doch wenn die Sehnsucht in uns Raum bekommt, dann haben wir noch Träume. Den Traum, dass Menschen neu lernen, einander zu verstehen. Den Traum, dass wir gemeinschaftlich Missstände beseitigen können. Den Traum, dass vieles sich zum Guten wenden kann, wenn Menschen sich von Gottes Geist leiten lassen. Nur die Sehnsucht lehrt uns zu träumen. Und Träume sorgen für Veränderung.

3. Neben dem Wahrnehmen der Dunkelheit und der Sehnsucht nach Veränderung, lässt gerade der Advent uns drittens das Licht im Dunkeln entdecken. Eine Kerze an einem sonnigen Sommertag auf dem Tisch auf der Terrasse ist kaum zu sehen. Doch wenn wir uns jetzt, in der dunklen Jahreszeit, auch nur eine Kerze anzünden, verbreitet sich ihr Strahlen im ganzen Zimmer. Probieren Sie es mal aus! Wir sind jeden Tag vom Licht der Sonne umgeben. Ganz selbstverständlich scheint sie und ermöglicht unser Leben, das es ohne Licht nicht gäbe. Ganz selbstverständlich nehmen wir jeden Tag das Licht auf, ohne uns Gedanken darüber zu machen.
Doch wenn es dunkel ist und wir ein Licht anknipsen oder eine Kerze anzünden können, dann nehmen wir es besonders wahr. So ist es auch mit Gott bzw. Jesus. Er ist
zwar immer da und es tut immer gut, sich seine Gegenwart bewusst zu machen, aber in den Dunkelheiten brauchen wir ihn besonders. Durch sein Vorbild, seine Taten, seine Richtlinien für ein gelingendes Leben und seinen Sieg über den Tod, ermöglicht Jesus ein besseres, erfüllteres Leben. Wenn mehr Menschen auch nur sein Gebot der Liebe mehr leben würden, sähe es auf unserer Welt anders aus.

4. und letztens lässt die Adventszeit uns neu entdecken, dass auch wir für andere Licht sein können. So heißt es beim Propheten Jesaja: Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt (Jes.60,1)

Jede und jeder von uns kann es im Leben anderer heller werden lassen. Dazu braucht es oft nicht mal Geld. Ein gutes Wort, ein Besuch, die Teilnahme an einer Demo für
einen guten Zweck – es gibt so viele Möglichkeiten. Eine Kerze kann nicht leuchten, wenn sie nicht angezündet wird. Liebe weiterzugeben ist so viel leichter, wenn man sie selber erfahren hat. Ich will es noch einmal in dem Bild vom Licht sagen: Wenn das Licht des Glaubens und der Liebe Gottes in uns brennt, dann wollen wir es auch zu
anderen weitertragen. So wünsche ich uns, dass wir in diesem Advent uns dem Dunkeln nicht verschließen, die Sehnsucht nach einer helleren, besseren Welt in uns wach halten, das Licht, das Jesus für uns ist, entdecken und für andere zum Licht werden.

Eine gesegnete Adventszeit!
Ihre Ulrike Fischer

Lieber Herr und Gott,
in unserer Welt gibt es viel Dunkelheit. Doch Du willst uns ein Leben im Licht schenken.
Lass dein Licht für uns leuchten, damit wir erfahren, wie gut es ist, Dir zu folgen.
Wir bitten dich für die Menschen, die in persönlichen Problemen fest stecken, für die
Kranken und für die, die in der Pflege oft bis zum Rande der Erschöpfung arbeiten.
Lass dein Licht für sie leuchten, damit sie Lösungen und neue Kräfte finden.
Wir bitten Dich für unsere Regierung, die sich gerade formiert.
Lass dein Licht für sie leuchten, damit sie mutig und kreativ die Probleme unserer Zeit angehen und lösen.
Wir bitten Dich für die Not unserer Welt, die uns oft so hilflos macht.
Lass dein Licht leuchten, damit das Elend so vieler ein Ende findet und wir erkennen, was wir dazu beitragen können.
Amen!