Zum 2. Sonntag nach Trinitatis 2020 in den Klostergemeinden

Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken. (Mt. 11,28)

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Kommt ! Es ist alles bereit! So ruft es der großzügige reiche Hausherr im Gleichnis vom großen Festmahl, das uns Jesus erzählt.

Und nachdem die, die sonst immer dabei sind, ihre Abwesenheit entschuldigen, ruft der Herr all die herbei, die bisher ausgegrenzt waren-die von den Hecken und den Zäunen - weil sie krank waren, weil sie nicht zu den typischen Gottesdienstbesuchern gehörten, weil sie im Ansehen der anderen die Sünder waren, weil sie einfach immer schon auf der Schat-tenseite des Lebens standen.

Kommt! Es ist alles bereit! Es ist Platz für alle! Wie lange haben wir das nicht mehr gehört in der Zeit von Corona. Überall gibt es Beschränkungen, auch bei der Feier des heiligen Abendmahles halten wir uns zurück.

Es bleibt schwer vorstellbar, aus einer behandschuhten Hand von einem Pfarrer mit Mundschutz den Leib Christi ohne den persönlichen Zuspruch: „Für dich gegeben“ zu empfangen. Ich lade sie ein dem „es ist alles bereit“ nachzusinnen mit Hilfe des Altarbildes von Sieger Köder.

Es ist ein Abendmahlsbild mit Brot und Wein, mit dem Brot, das gebrochen wird für dich von den durchbohrten, verwundeteten Händen dessen, der lebendig ist. Du bist eingeladen dich an diesen Tisch zu setzen, es ist Platz da, direkt gegenüber von dem, der das Brot teilt. Er spricht zu dir: So wie ich dieses Brot breche, so wurde mein Leben gebrochen, damit ihr lebt. Nimm und iss, das ist mein Leib für dich gegeben.Im Zentrum des Bildes steht der Kelch gefüllt bis an den Rand mit der Frucht des Weinstocks.Das Antlitz dessen, der zu mir spricht, spiegelt sich darin.„Trinkt alle daraus. Das ist der neue Bund, der für euch vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. Das stärke dich und bewahre dich in deinem Glauben zum Leben in Gottes Gegen-wart heute und in alle Ewigkeit.“

Komm herzu und lass dich stärken. Lass dich stärken wie das hungernde Kind aus Afrika, das sich an die Tischkante klammert und sehnsuchtsvoll zu dem hochschaut, der das Brot teilt. Bring all die Verletzungen, die dir zugefügt wurden, deinen Kummer, das Un-heil deines Lebens zu ihm wieder Indio, dessen Blut durch die verbundene Hand nach Heilung und Versöhnung schreit.

Lass dich hineinnehmen in die Liebe wie die asiatische Frau, die sich hingebungsvoll an seine Hände schmiegt. Lass dir den tiefen Frie-den schenken wie der Schwarzafrikaner in Sträflingskleidung.

Ich nehme euch die Lasten des Lebens nicht einfach ab. Doch ich schenke euch meine Gegenwart, die euch Sanftmut und Geduld zum Leben lehrt:

Nehmt auf Euch mein Joch und lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für Eure Seelen.

Doch dieses Altarbild bleibt nicht bei Brot und Wein, den Elementen des heiligen Abendmahles.

Jesus lädt uns an einen Tisch, reich gedeckt mit vielen Früchten der Erde und der menschlichen Arbeit. 5 kräftige dunkle Brote und zwei Fische, ich denke an Jesus, der das Brot teilte und 5000 Menschen satt machte. Dazu eine Schale mit Reis, dem Grundnahrungsmittel in vielen Ländern dieser Erde – alle sollen satt werden an Leib und Seele in aller Welt.

Jesus lädt an den reich gedeckten Tisch, der uns an das untrennbare Ineinander von alltäglichem Essen und heiligem Mahl erinnert.

An diesem Tisch hat auch unsere Sorge um zunehmende Gewalt innerhalb der Gesellschaft Platz,unsere Sorge um die Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe Angst um ihr Leben haben müssen.

An diesem Tisch haben auch die Platz, die immer noch nicht genau wissen, ob sie in Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz haben, ob ihr Geschäft durch die Krise hindurch gerettet werden kann.

An diesem Tisch haben auch die Platz, die durch Gefängnismauern von uns getrennt sind, die im Pflegeheim und Krankenhaus schmerzlich die Umarmung ihrer Angehörigen vermissen.Nutzen wir diese Zeit unabhängig von der Feier des heiligen Abendmahles am Tisch des Herrn die Gegenwart Jesu Christi erfüllend und stärkend wahrzunehmen und freuen wir uns auf die Zeit, in der wir wieder voller Freude und ohne Sorge um die Verbreitung des Virus miteinander vereint Jesus Christus in, mit und unter Brot und Wein empfangen.

Ihre Pfarrerin Dörte Knoch

Jesus Christus, Sohn Gottes, du Mensch des Erbarmens und der Hilfe,

du rufst alle Mühseligen und Beladenen zu dir, willst uns stärkenundunter die Arme greifen.

Du sammelst um Dich Menschen aus allen Völkern und Glaubensrichtungen.

Wir kommen zu Dir mit dem, was uns belastet , begrenzt und einschränkt.Wir bitten Dich:

Richte uns auf. Baue uns auf an Körper und Seele. Lass uns aufatmen.

Hilf uns deiner Einladung folgen und sie weitergeben an alle, denen sie gut tut.

Nimm sie und uns mit in Gottes Reich, das heute für uns da ist durch dich und den Heiligen Geist.