Zum Sonntag Kantate 2020 in den Klostergemeinden

Gottesdienst mit den Sopranetten im Heilsbronner Münster: 

Einige Pharisäer riefen Jesus zu: „Bring doch deine Jünger zur Vernunft!“ Jesus antwortete: „Das sage ich euch: Wenn sie schweigen, dann werden die Steine schreien.“    (Lk.19, 39-40)

Warten, dass etwas Schönes kommt. Verzichten auf festliche Gesänge. Die Spannung steigt, je näher die besonderen Tage rücken. So etwas wie eine Adventszeit, die sich hinzieht, erleben wir gerade, oder wie lang gedehnte Passionswochen vor Ostern. „Wann ist es denn endlich soweit?“, nörgeln nicht nur die Kinder. Und jetzt ist auch angekündigt, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, wenn auch mit Beschränkungen. Jetzt öffnen die Biergärten und Wirtschaften bald wieder, die Kindergärten und Tennisplätze. So ganz wie Weihnachten oder Ostern wird das nicht. Aber Entspannung ist zu spüren. Größere Familien treffen sich wieder. Im Advent wird ja auch gefeiert. Besinnlich, familiär, im vertrauten Kreis.
Der der kommt, ist schon da. Im Warten auf ihn ist Jesus gegenwärtig. Das Kind von Bethlehem im Bauch der Maria und in den wunderschönen Vorgeschichten der Weihnachtsgeschichte. Der Auferstandene in dem Weizenkorn, das erst gesät werden muss und unter der Erde erstirbt. Erst später keimt es und treibt Kornähren aus. Vor der Auferstehung steht die Passion. Aber der der kommt, ist da – auch in der Corona-Leidenszeit und im Lockerungs-Advent.
Singen können wir da auch. Getragene Lieder vom Warten und vom Leiden, in erwartungsvoller Hoffnung und in dankbarer Anbetung. Aber jetzt, Ihr Lieben: „Die Steine schreien“, sagt Jesus seinen Kritikern. Gott wird gelobt und gepriesen, als er in Jerusalem einzieht. Die Nörgler sagen: „Mach doch, dass sie Ruhe geben!“ „Nee“, sagt Jesus, Gott erschafft sich seinen Lobgesang. Und wenn hier keiner mehr den Mund aufkriegt, dann werden eben die Steine schreien.“ Hey, das ist Power. Das ist Kantate, wo wir miteinander für Gott singen. Wie Weihnachten und Ostern zusammen – in Corona-Beschränkung und mit Befreiungs-Hoffnungen. Schön dass wir das heute feiern, hier mit Euch Sopranetten und mit Ihnen und Euch zu Hause!
Der alttestamentliche Text für diesen Sonntag setzt noch eins drauf. Es ist die Geschichte, wie der Tempel in Jerusalem eingeweiht wird. Die Anführer der Stämme Israels bringen die Bundeslade auf den Zionsberg. Die Tafeln mit den zehn Geboten sind in diesem Kasten. Kerzen und Engelsfiguren kommen in einem feierlichen Einzug. Opfer werden dargebracht. Und zum Höhepunkt des Festes bläst der Posaunenchor und spielt das Orchester und alle singen kräftig miteinander. „Der Herr ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich.“ Und es ist, „als wäre es einer, der trompetet und singt, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn.“ Und der Tempel wird erfüllt mit einer Wolke, und die Priester finden ihren Altar nicht mehr. Denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllt das Haus Gottes.“ (2. Chronik 5, 1-6. 11-14)
Boah, das ist starker Tobak. Kantate im Tempel. Gottes Herrlichkeit ist da. Das ganze Volk singt und spielt. Und die Priester sind überflüssig. Kantate im Münster: Schön mit Euch Sopranetten, Dir, Stefanie an der Orgel und Dir, Rainer, als Lektor. Immerhin: In der alttestamentlichen Geschichte ist ausschließlich von Männern die Rede. Wir sind vollständiger. Aber natürlich ist es schade, dass heute der Kirchenchor nicht singen kann und nicht eine große Gemeinde hier ist. Die Szene im Tempel kommt mir vor wie die Konfirmation, die wir vorigen Sonntag gefeiert hätten mit Gospel- und Posaunenchor, mit vielen Gästen aus nah und fern. Oder wie die Einweihung unseres neu gestalteten Marktplatzes, zu der heute nachmittag bestimmt 1000 Leute gekommen wären. Kantate im Münster und im Internet: nur ein vorsichtiger Abglanz der Feste, die wir hätten feiern wollen.
Und trotzdem ist da die Power von Tempeleinweihung und Konfirmation. Sie erfüllt die Lieder, die von hier hinausklingen in Wohnzimmer und Küchen. Auch wenn wir vielstimmig singen und musizieren: Es ist „als wäre es einer, der trompetet und singt, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn.“ Der da kommt, Jesus, ist gegenwärtig, wo immer wir das tun. Als würden auch die Steine schreien für Gott. Wunderschön finde ich die Balkonkonzerte in Heilsbronn und die Wohnzimmer-Video-Ensembles, die mit vielen Liedern und Stücken im Internet zu finden sind: „Freude schöner Gotterfunken“ oder „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen“. Die Windsbacher Jungs haben, als sie noch in ihrem Internat waren, ein großartiges „Fensterkonzert mit Vogelbegleitung“ für ihre Homepage aufgenommen. Gott schafft sich sein Lob unter uns, mit Power und starkem Tobak.
Ihr Ulrich Schindler

Lied: Singt Gott, unserm Herrn, singt ihm neue Lieder (EG 600)
Gebet
Neue und alte Lieder singen wir dir, Gott. Unser Glaube, unsere Hoffnung leben in diesen Liedern. Verhalten, gedämpft klingen unsere Stimmen zurzeit. Auf Abstand bleiben viele Instrumente, hier bei uns und an vielen Orten. Und trotzdem werden sie eins in Deinem Lob.

Unsere Bitten bringen wir gemeinsam vor dich. Wir vertrauen auf die Zusage, dass Du uns hörst.

Wir bitten dich für die Menschen, die krank sind – mit COVID 19 oder anderen Leiden –, die im Sterben liegen oder um einen Menschen trauern. Und für diejenigen, die anderen dienen in Pflege, Therapie und Seelsorge: Sei Du an ihrer Seite.

Wir bitten dich für alle, die sich sorgen um Einsame, die Verbindung suchen und Nähe schaffen – zu den Kindern und den Alten, in Einrichtungen und Familien: Stärke und beschirme sie.

Wir bitten dich für die Menschen, die in Sorge sind um ihren Lebensunterhalt. Und für diejenigen, die Verantwortung haben für das wirtschaftliche Leben: Steh ihnen bei und lass sie Rat und Hilfe finden.

Wir sehnen uns nach frohen Liedern, nach offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen.
Wir bitten dich: Komm uns entgegen, Gott! Erweck Dir einen Lobgesang und lass uns dein Heil spüren.

Amen.