Zum Sonntag Okuli (7. März 21) in den Klostergemeinden

Klostergemeinden
Bildrechte: Gemeinde Heilsbronn

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Liebe Gemeinde,
Die Fastenaktion der EKD hat dieses Jahr das Thema: „Spielraum! 7 Wochen ohne Blockaden“ Dies Motto und auch einer der ausgewählten Bibeltexte hat mich zum Thema des Gottesdienstes diesen Sonntag angeregt: „Spielräume gestalten!“ Zurzeit ist unsere Handlungsfreiheit in vielem ja stark eingeschränkt. Gerade deshalb erscheint es wichtig zu sein, Spielräume auszuloten und zu nützen, um nicht zu verbittern und zu versauern.
So nützen viele das Telefon oder Möglichkeiten über den Computer, um Beziehungen zu pflegen. Onlinespiele bringen Freundeskreise und Familien zusammen. Ich selber bin noch nie so viel mit Freundinnen spazieren gegangen wie seit dem 1. Lockdown..
Doch nicht nur in Zeiten von Corona ist es angesagt, Spielräume zu nützen. Auch sonst schützt uns die Suche nach ihnen vor dem Steckenbleiben in Blockaden, die uns und unser Miteinander lähmen oder gar zerstören. Vieles könnten wir zu diesem großen Thema bedenken, wir müssen uns hier einschränken. Aber vielleicht kann uns die folgende Geschichte zum weiteren Nachdenken über unsere persönlichen Spielräume ermutigen. So hören wir eine uralte Erzählung aus der Bibel (nach 1. Mose 13):
Abraham war auf Gottes Geheiß mit seiner Frau Sara, Mägden, Knechten und auch seinem Neffen Lot aus Haran ausgezogen, um in das Land zu ziehen, das Gott ihm verheißen hatte. Sowohl Abraham und Sara, als auch Lot waren reich geworden. Das Vieh hatte sich vermehrt. Große Herden an Schafen, Rindern und Ziegen waren mit ihnen unterwegs. Das war ein Blöken, Muhen und Meckern!
Sie waren in die Gegend von Bethel im Westen des Jordans gezogen, doch der Frieden war gestört. An den Wasserstellen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Knechten Abrahams und den Knechten Lots: „Wir waren zuerst hier. Ihr müsst warten, bis wir unsere Tiere getränkt haben.“, meinten die einen. „Nein, unsere Tiere sind weit gelaufen und haben großen Durst, sie müssen zuerst getränkt werden.“, erwiderten die anderen. Ein Wort gab das andere, plötzlich wurde jemand geschubst und schnell war ein Handgemenge im Gang.
Abraham sah, wie seine Knechte und die Lots einander immer mehr auswichen und wie sie abends am Feuer aufeinander schimpften.
Das Miteinander war gestört, die Stimmung im Keller. „So kann es nicht weitergehen“, überlegte Abraham. „Es muss etwas geschehen. Beide Seiten sind in ihrem Ärger aufeinander festgefahren, geradezu blockiert. Und wirklich, das Land hier reicht nicht, um uns alle und unsere großen Herden zu ernähren. Wenn wir an der Situation nichts ändern, wird es immer weiter Ärger geben. Aber sind wir nicht gesegnet, dass unser beider Vieh so fruchtbar war und sich so stark vermehrte? Soll der Segen nun zum Fluch werden? So kann es Gott doch nicht gemeint haben. Wir müssen eine Lösung finden. Doch was soll ich Lot vorschlagen? – Ich glaube, wir müssen getrennte Wege gehen. Das Land ist groß und weit, eigentlich ist ja genug Platz. Einer könnte ins Bergland gehen, der andere hinunter an den Jordan in die Ebene. Freilich, dort ist das Land viel fruchtbarer. Es wird nicht leicht sein zu entscheiden, wer wohin geht.“
Abraham zog den Mantel fester um sich. Die Sonne war untergegangen, es war kühl geworden. Der Mond stand voll am Himmel, die Sterne funkelten. Abraham erinnert sich: „So zahlreich wir die Sterne am Himmel, so zahlreich soll mein Volk werden. So hat es Gott mir versprochen. Und dass ich zum Segen für die Völker werden soll. Gewaltige Verheißungen, die Gott mir damals gegeben hat! Sie hatten mich ermutigt, meine Heimat zu verlassen und in das neue Land zu ziehen, das Gott uns geben wollte.
Gott will mich segnen und ich soll ein Segen sein. Was heißt das nun für unsere schwierige Situation? Wohl doch, dass ich darauf vertrauen darf, dass Gottes es in jedem Fall gut für mich und die Meinen werden lässt, wenn ich weiter auf ihn schaue und ihm vertraue.“ Eines Tages fasste sich Abraham ein Herz und bat Lot um ein Gespräch: „Lot, wir sind doch miteinander verwandt. Ich möchte nicht, dass wir oder unsere Leute sich streiten. Wir sind beide reich mit großen Herden gesegnet worden, dafür wollen wir dankbar sein und daraus keinen Schaden entstehen lassen. Das Land ist groß und weit. Was meinst Du, ist es nicht an der Zeit, dass unsere Wege sich trennen? Lass einen von uns ins Bergland gehen, der andere kann in die Jordanebene ziehen.“
Lot waren die Querelen natürlich auch nicht entgangen und er war froh, dass Abraham das Problem ansprach, er selber hätte wohl eher still gelitten. „Aber“, so überlegte er, „wer sollte ins fruchtbare Jordantal gehen und wer in das lange nicht so ergiebige Bergland? Ich als der Jüngere soll sicher Abraham den Vortritt lassen? Das sehe ich gar nicht ein.“ Gerade wollte er ansetzen, seine Rechte zu verteidigen, da hört er Abraham sagen: „Ich überlasse Dir die Wahl!“
„Habe ich wirklich recht gehört?“, wundert er sich. „Kann das tatsächlich sein, dass Abraham bereit ist, mir die fruchtbare Jordanebene zu überlassen?“
Ja, er hatte recht gehört. Abraham hat nicht auf sein Recht beharrt, sondern war bereit, den vermeintlich Kürzeren zu ziehen. Das löste Blockaden, eröffnete Spielräume. Und die weitere Geschichte lehrt, dass er gut daran getan hat. Gottes Segen konnte sich in seinem Leben entfalten.
Auch wir haben oft sicher mehr Spielräume, als wir sie nützen, sei es in Beziehungen, beruflich oder anderswo in unserem Leben. Lassen wir uns einladen, sie zu entdecken und zu nützen. Denn auch wir sind von Gott reich Gesegnete. Und sein Segen will uns weiter begleiten
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Ulrike Fischer

Der Herr segne dich
er lasse dein Leben gedeihen, deine Hoffnung erblühen, deine Früchte reifen.
Der Herr behüte dich
er umarme dich in deiner Angst, stelle sich vor dich in deiner Not.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
wie ein zärtlicher Blick erwärmt, so überwinde er bei dir, was erstarrt ist.
Er sei dir gnädig
wenn Schuld dich drückt, dann schenke Er dir Vergebung und lasse dich aufatmen.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
er sehe dein Leid, er tröste und heile dich.
Er gebe dir Frieden
das Wohl des Leibes, das Heil deiner Seele, die Zukunft deinen Kindern.
So segne dich der dreieinige Gott,
der Vater, Sohn und Heilige Geist. Amen.