Zur Passions- und Osterzeit 2020 in den Klostergemeinden

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„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12,24

Es ist klein, aber nicht wie ein Virus nur in Nanometern zu messen. Er muss „ersterben“, aber es findet zu neuem Leben. Es breitet sich aus, aber es bringt Frucht, Nahrung und Kraft. Schön, dass uns das Wort Jesu vom Weizenkorn in die neue Pas-sionswoche begleitet! So ein Körnchen kann uns zuversichtlich machen, dankbar sogar, und uns erinnern, dass wir miteinander verbunden bleiben, was immer geschieht.

Jesus hat das kleine Korn zum Gleichnis für sich selbst gemacht. Er hat sterben müssen und ist in der Erde begraben worden. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, und er hat viele Menschen gestärkt und begleitet. Bald über zwei Jahrtausende. Besondere ZeugInnen des Glaubens an ihn haben oft in harten Zeiten gelebt: Paul Gerhard mit seinen Liedern im 30-jährigen Krieg, die große Krankenschwester Florence Nightingale in der Massenarmut und den Kriegen des 19. Jahrhunderts, in der NS-Zeit Dietrich Bonhoeffer und andere. Gerade in Seuchen und Kriegen hat Jesus vielen Menschen Hoffnung gegeben. Er hat sie motiviert, einander liebevoll zu umsorgen und zu pflegen. Sie waren getröstet und gehalten auch dann, wenn sie jemanden hergeben mussten. Auch unter uns haben das viele erlebt und können von ihren eigenen Erfahrungen erzählen. Jesus, das Weizenkorn, hat viel, viel Frucht gebracht. Sein Tod stärkt uns zum Leben.

Beim Kirchentag letztes Jahr habe ich ein Lied kennengelernt, das mir nicht aus dem Kopf geht: „Land of Hope and Glory“ hat der Brite Edward Elgar schon 1902 komponiert. Der deutsche Text stammt aus den 1970ern von Diethard Zils

Pilger sind wir Menschen, suchen Gottes Wort,
unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort.
Wer hört unsere Bitte, wer will bei uns sein?
Komm in unsere Mitte, Herr, tritt bei uns ein!

PilgerInnen sind wir, jede/r im eigenen Leben und alle gemeinsam. Beten können wir das jeden Tag, ob allein oder miteinander. Es verbindet uns wie das Weizenbrot, das wir zum Essen brauchen. Aus der Glaubensbeziehung mit Jesus heraus. Schön, dass das Lied auf YouTube zweimal steht, allein zu Hause gesungen von einem einfachen „Wanderweib“ (https://www.youtube.com/watch?v=mC_-Mcjelz4) und von einem prächtigen Chor in der Kirche (https://www.youtube.com/watch?v=XEj56DCrtSI), hören Sie doch mal rein. Die letzte Strophe öffnet hoffnungsvoll den Blick in Gottes Zukunft mit uns:

Land der großen Hoffnung. Zukunft, die uns winkt.
Gott in unserer Mitte. Sonne, die nicht sinkt.
Gott schenkt uns Vertrauen und ein Arbeitsfeld.
Er will mit uns bauen eine neue Welt!

Bleiben Sie behütet und gesund, zuversichtlich und verbunden durch unser „Weizenkorn“!

Ulrich Schindler