Zur Passions- und Osterzeit 2020 in den Klostergemeinden - 3

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Johannes 3,14f

Johannes spricht an dieser Stelle von Jesus. Er ist der Menschensohn. Erhöhung bedeutet Kreuzigung und Auferstehung. Johannes macht einen Vergleich mit einer alten Wüstengeschichte des Volkes Israel. Das Volk Israel war sehr lange in der Wüste unterwegs. Das Leben war eintönig und beschwerlich. Unruhe machte sich breit. Die Stimmung begann zu brodeln und nach kurzer Zeit lief das Fass über. Das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose. Das Volk Israel kann nicht mehr. Sie stellen die Warum-Frage: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Es kommt beinahe zur Revolte. Es ist Krisenzeit. Die Menschen verlieren die Zukunftsperspektive: Eine endlose Wanderung, keine Abwechslung und keine Hoffnung auf Änderung. Und dann heißt es: Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk. Gott sandte sie, übersetzte Martin Luther. Im Hebräischen heißt es vielmehr: Gott ließ die Schlangen los und das Unglück nahm seinen Lauf. Das Volk fleht Mose um Rettung an und Mose bekommt von Gott den Auftrag: Mach eine eherne Schlange und richte sie hoch auf. Wer auf die Schlange blickt, bleibt am Leben.

Für manche ist gerade auch so eine „Wüstenzeit“. Sie fühlen sich eingesperrt in die eigenen vier Wände und haben kaum Kontakt zu anderen Menschen. Die Gedanken beginnen um immer gleiche Fragen zu kreisen: Wie lange wird das anhalten? Wo ist der Ursprung der Pandemie? Wer ist schuld? Auf diese Fragen Antwort zu haben, ist entlastend. Die Unsicherheit wird reduziert und schafft neue Handlungsmöglichkeiten. Das Virus ist mit den feurigen Schlangen vergleichbar, nur gefährlicher, da für das menschliche Auge nicht sichtbar. Bei den Israeliten und den Wüstenschlangen scheint der Ursprung der Schlangen zunächst klar. Ist er aber nicht! Gott ließ sie los, das heißt: Die Schlangen waren ja schon vorher da und am Ende der Geschichte sind sie auch nicht weg! Aber es gibt Rettung für die Israeliten damals und für uns heute. Rettung im Blick nach oben. Im Blick auf das Kreuz. Und das hilft auch mir: Der Blick auf das Kreuz. Jesus ist bei mir im Leiden, in Kummer und Schmerz. Die Warum-Frage ist deshalb nicht beantwortet, aber sie lässt sich aus- und offenhalten im Blick auf den Schmerzensmann am Kreuz. Es ist Zumutung und Entlastung zugleich. Probieren Sie es aus! Diesen Blick wünsche ich Ihnen, sei es in unseren drei Kirchen oder bei Ihnen Zuhause!

Ihr Vikar Simeon Prechtel

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah.
Das Geheimnis des Gerichtes über alle unsre Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ew‘ger Huld.

Nun in heil‘gem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha,
tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah:
Dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor,
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Lichte er empor.

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha,
die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen, ja, wir preisen deine Treu,
ja, wir dienen dir von Herzen: Ja, du machst einst alles neu!

Friedrich von Bodelschwingh