Glocke in Bonnhof (14. Jh.)

Glocke aus der Schlosskapelle in Bonnhof

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Nach dem Verkauf der Burg auf dem Weinberg an das Kloster Heilsbronn 1268 sollen die Steine derselben 1337 zum Bau des Wasserschlosses in Bonnhof verwendet worden sein. Fakt ist jedenfalls, dass Bonnhof vom Kloster Heilsbronn zu einem wichtigen Propsteisitz ausgebaut wurde.
Kaiser Ludwig erteilte 1339 dem Kloster Heilsbronn das Privileg, das Schloss in Bonnhof mit einer Mauer und einem Graben zu umgeben. Zu diesem Wasserschloss gehörte eine Kapelle im Torturm, durch den man ins Schloss gelangte. Von dieser Kapelle ist die Glocke aus dem 14. Jahrhundert noch erhalten. Bei dieser Glocke (Ø 38 cm, H. 31 cm) handelt es sich nach Ausweis der Stilformen – Buchstabenform, Worttrennung durch Rosetten und Glöckchen – mit großer Wahrscheinlichkeit auch um ein Werk von Hermann Kessler (II), auf jeden Fall aus der Werkstatt der Familie Glockengießer (vgl. Schriftproben für die mittlere Glocke von Bürglein). In der katholischen Kirche von Rauenzell befindet sich eine Glocke mit ähnlicher Inschrift mit denselben Buchstabentypen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
In teils schwer lesbaren Majuskeln ist auf der undatierten Glocke zu lesen:
 AVE     MARIA     O     REX     GLORIE     VENI     CVM     PACE
zu Deutsch: „Gegrüßt seist du, Maria. O König der Ehre, komm mit Frieden.“

Die Glocke hing in einem Türmchen über dem Tor mit der Zugbrücke und rief zu Andacht und Gebet. In der Schlosskapelle wurden auch Taufen und Trauungen vorgenommen, besonders in der unsicheren Zeit des 30-jährigen Krieges. Wenn ein Paar dort getraut wurde, hatte es auch das Recht, die eigenen Kinder dort taufen zu lassen. 1670 ging die Kapelle ein, aber noch bis 1763 wurden Amtshandlungen im Schloss vorgenommen. 1807 ließ Familie Lederer das baufällige Schloss abtragen und die Glocke an anderer Stelle aufhängen, und zwar auf dem Taglöhnerhaus, Hs.Nr. 21, direkt neben dem Gasthaus an der Straße. 1959 riss Jakob Schnell das Anwesen Hs.Nr. 21 ab und baute dort eine Scheune. In diesem Zusammenhang kam das Glockentürmchen auf die Südseite des Gebäudes. In der Morgen- und Abenddämmerung hat Jakob Schnell (1927-2006) das Gebetläuten mit der Hand versehen solange er konnte. Drei Vaterunser lang war die Dauer des Läutens.

Zum 100-jährigen Feuerwehrfest wurde das Schlagwerk 1999 von der Stadt Heilsbronn instandgesetzt und das Türmchen kostenlos von Fa. Josef Scherbaum mit Blech verkleidet.

2009 kam die Glocke zur Runderneuerung nach Nördlingen, erhielt eine neue Krone und einen neuen Klöppel und wurde im April 2010 wieder aufgehängt. Seitdem wird die Glocke elektrisch mit einem Linearmotor geläutet. Der Stundenschlag geht an die Glocke, der Viertelstundenschlag an eine Klangschale. Täglich gibt es ein Gebetläuten am Mittag (12 Uhr) und Abend (18 Uhr WZ, 19 Uhr SZ). Geläutet wird auch zu Beginn einer Taufer oder Trauung in Bürglein und bei einer Überführung, sowie zum Jahreswechsel und am 8. Juli um 9 Uhr zum Gedenken an den Frankenapostel Kilian, den Patron der Schlosskapelle.

Seit 2010 gibt es einen Kirchweihgottesdienst bei Familie Lutz in Bonnhof in Erinnerung an die Schlosskapelle, die dem "Winzerschutzherrn" Kilian geweiht war. Der Kirchweihtermin in der Nähe vom Namenstag des Frankenapostels (8. Juli) weist noch heute darauf hin. Sicher hängt die Kilianikirchweih in Bonnhof mit dem einstigen Weinbau des Klosters Heilsbronn bei Bonnhof zusammen.

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Auch an Christi Himmelfahrt ruft die Glocke zum Gottesdienst, den die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Landeskirchlichen Gemeinschaft Bonnhof ebenfalls bei Familie Lutz im Garten oder in der ausgebauten Scheune feiert.

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